Mali – Kinder auf der Suche nach einer besseren Zukunft

Sie spielen auf der staubigen Straße, sie tragen zerrissene Kleider, sie lachen, sie streiten, sie essen, was ihre Eltern ihnen geben können oder was andere ihnen abgeben. Manche von ihnen gehen in die Schule, andere träumen nur davon in die Schule gehen zu dürfen. Für viele ist die Zukunft eine nebulöse Wolke vieler ungeklärter offener Fragen, auf deren Antwort sie nur in geringem Maß selbst einen Einfluss haben.

Kinder in Mali, das sind fast 50 % der Gesamtbevölkerung dieses westafrikanischen Landes südlich der Sahara. Diese Kinder könnten die Zukunft sein, die Entscheider, die Leistungserbringer für eine bessere Zukunft in Frieden und in Demokratie. Die Kinder in Mali wachsen auf in einer Übergangsphase, in einer Zeit nach der großen Invasion islamistischer Kämpfer aus dem Norden und dem Putsch in der Hauptstadt Bamako. Diese Ereignisse haben Mali in seiner Entwicklung um Jahre zurückgeworfen. Es war eine Zeit, die die Saat von Zerstörung, Gewalt, Angst und Misstrauen in eine von Armut und Dürre geprägte Gesellschaft vieler Ethnien, Sprachen und Kulturen gesät hat.

Die Projekte im Rahmen der klassischen Entwicklungshilfe zwischen Mali und den westlichen Staaten wie z.B. Frankreich, USA und Deutschland werden weitergeführt und leben nach der Krise langsam wieder auf. Doch die einfachen Menschen sind von den großen Entwicklungskonzepten zwischen Regierungen und deren entwicklungspolitischen Instanzen enttäuscht. Warum? Die Hilfe, die ihnen versprochen wurde, kommt nicht da an, wo sie nötig ist. Deshalb setzen die Menschen in den Stadtvierteln und Dörfern ihre Hoffnung auf die kleinen, für sie nachvollziehbaren Projekte vor Ort. Elementar ist dabei für die Familien die Chance, dass ihre Kinder in eine Schule gehen, Bildung erhalten und sich dadurch eine eigene Grundlage für eine bessere Zukunft erarbeiten können. Aus diesem Grund gibt es verschieden Partnerschaften zwischen ausländischen/deutschen Schulen/Partnern und malischen Projekten vor Ort, wie zum Beispiel die zwischen dem Humboldt-Gymnasium in Solingen und der christlichen Grundschule in Sévaré, oder, seit 2014, zwischen der Christlichen Sabine-Ball-Schule in Darmstadt und der Schulgründungsinitiative in Bamako. In diesen Projekten vor Ort arbeiten einheimische Entwicklungsarbeiter und ausländische Helfer/innen Hand in Hand. Berichte und Bilder zeigen den Geist der Hoffnung, der hier wirkt und der die Kinder beseelt und ansteckt.

Vor 25 Jahren hat es bereits einmal eine ähnliche Bewegung gegeben. Die Kinder von damals sind heute teilweise in der Verantwortung für diese neuen Initiativen und Kooperationen. Etliche von ihnen sind aber auch im Kampf gegen den Terrorismus gestorben oder einer der vielen Tropenkrankheiten wegen der schlechten medizinischen Versorgung erlegen. Andere sind in den „goldenen Westen“ aufgebrochen, um eine glücklichere Zukunft im Ausland zu suchen, weil immer noch keine wirklich gerechtere Wirtschaftsordnung Ländern wie Mali eine echte Chance auf Aufstieg und Entwicklung bietet. Konzerne besorgen sich ihre Rohstoffe unter Wert in der dritten Welt, Konsumenten kaufen Billig-Kleider im Supermarkt, deren Baumwolle von Kindern geerntet wurde, die nicht zur Schule gehen können, oder deren Nähte von Kindern gefertigt wurden, die für den Lebensunterhalt ihrer Familien fest eingespannt sind.

Wir können etwas beitragen zu einer gerechteren Welt. Wir können durch Engagement, zum Beispiel in einer Partnerschaft, zu einem Miteinander finden, andere an der Zukunft teilhaben lassen und ihnen das Wissen vermitteln, das notwendig ist, um langfristig eine Perspektive zu erhalten. „Ich kann in meinem Land glücklich leben und nicht nur überleben. Ich muss nicht waghalsig über das Mittelmeer nach Europa fliehen, nur damit ich bei mir zu Hause nicht verhungere, oder durch politisch religiöse Konflikte gewaltsam unter die Räder komme.“ Diese Einsicht erhalten Kinder und Jugendliche nur dann, wenn wir mit ihnen gemeinsam Projekte der Hoffnung starten. Solche Zeichen der Hoffnung, Wege zu Schulbildung und Fachkenntnissen, Kontakt zu anderen Nationen und Ländern – das greifen malische Kinder offen und fröhlich auf. Hier liegt eine Chance, ein großes Potential. Hier engagieren sich Helfer vor Ort, so wie Coulibalys in Sévaré oder Familie Meier aus dem Westerwald, seit vielen Jahren. Mit ihnen gemeinsam wollen wir Kinder mit Kindern verbinden, durch Wahrnehmung in Partnerschaften, durch Aktionen und Initiativen, durch Briefe und Austausch. Manches ist schon geglückt, Vieles bleibt noch möglich.                                                    

Detlev Katzwinkel, September 2015

   
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